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Mein Name ist Cihad Akipa, ich bin 30 Jahre alt und meine große Leidenschaft gehört dem Kampfsport. In der Kampfsportwelt kennen mich viele unter meinem Kampfnamen „The Punisher“. Doch dieser Name ist nicht einfach nur ein Spitzname – er ist eng mit meiner Geschichte und den Anfängen meines Weges verbunden.

Schon als Teenager entdeckte ich den Sport als eine kraftvolle Antwort auf die Herausforderungen des Lebens. Mit 15 Jahren begann ich mit dem Kickboxen – ursprünglich, um mich gegen Mobbing in der Schule verteidigen zu können. Lange Zeit musste ich erleben, wie andere versuchten, mich kleinzumachen. Erst als ich lernte, für mich selbst einzustehen und mich zu wehren, hörte das Mobbing auf.

Aus genau dieser Zeit entstand auch mein Kampfname. Mein damaliger Trainer gab mir den Namen „The Punisher“, weil ich irgendwann nicht mehr bereit war, alles über mich ergehen zu lassen. Diejenigen, die mich zuvor gemobbt hatten, merkten, dass ich mich verteidigen konnte und nicht mehr das leichte Ziel war, für das sie mich gehalten hatten. Mein Trainer sagte sinngemäß, dass ich meine Gegner für ihre Angriffe „bestrafte“ – und so wurde aus Cihad Akipa im Ring „The Punisher“.

Für mich steht dieser Name heute jedoch für viel mehr als das Zurückschlagen. Er erinnert mich daran, wo ich angefangen habe, welche Hindernisse ich überwinden musste und wie der Kampfsport aus einem unsicheren Jugendlichen einen disziplinierten und selbstbewussten Menschen gemacht hat.

Denn schnell wurde mir klar, dass dieser Sport für mich viel mehr als nur ein Mittel zur Selbstverteidigung war. Er gab mir Disziplin, Selbstbewusstsein, Respekt und Anerkennung.

Bereits nach drei Monaten intensiven Trainings bestritt ich meine ersten Wettkämpfe – und gewann. Der Sport veränderte mein Leben grundlegend. Das Mobbing hörte auf und ich fasste den Entschluss, mein Leben dem Kampfsport zu widmen. In meiner Karriere als Amateurkämpfer konnte ich zahlreiche Titel gewinnen, darunter NRW-Meisterschaften, deutsche Meisterschaften und sogar einen Weltmeistertitel.

Aufgewachsen bin ich in Köln-Ostheim, einem Viertel, in dem Kriminalität und Drogen zum Alltag gehören können. Der Kampfsport gab mir eine andere Richtung und zeigte mir, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann. Mit meinen sportlichen Erfolgen veränderte sich auch die Wahrnehmung der Menschen in meinem Umfeld. Ich bekam immer mehr Respekt und Unterstützung.

Ein wichtiger Teil meiner Geschichte sind dabei meine kurdischen Wurzeln. Seit meinem allerersten Kampf trage und hisse ich die kurdische Flagge. Für mich war und ist das keine politische Botschaft. Ich wollte damit immer auf eine neutrale und persönliche Art zeigen, wo meine Familie und meine Wurzeln liegen. Meine Herkunft, meine Eltern und die Werte, die sie mir mitgegeben haben, haben mich mein ganzes Leben geprägt.

Gerade am Anfang führte die kurdische Flagge jedoch immer wieder zu Schwierigkeiten. Mir wurde vorgeworfen, damit zu viel Politik in den Sport zu bringen. Für mich ging es aber nie darum, politische Aussagen zu treffen oder Menschen gegeneinanderzustellen. Es ging ausschließlich darum, meine Identität und meine Herkunft zu repräsentieren – genauso, wie andere Kämpfer ihre Herkunft und ihre Wurzeln zeigen.

Auch bei OKTAGON MMA musste ich zunächst dafür kämpfen. Anfangs wollte man mir nicht erlauben, mit der kurdischen Flagge einzulaufen. Ich blieb jedoch konsequent und setzte mich dafür ein, meine Wurzeln auf diese Weise zeigen zu dürfen. Schließlich war ich der erste Kämpfer bei OKTAGON, der dies mit der kurdischen Flagge durchsetzen konnte. Heute ist es dort auch anderen Kämpfern möglich, die kurdische Flagge zu zeigen.

Darauf bin ich besonders stolz. Denn ich habe damit nicht nur etwas für mich persönlich erreicht, sondern einen Weg geschaffen, von dem heute auch andere kurdische Kämpfer profitieren können. Bis heute trage ich die Flagge bei meinen Kämpfen und repräsentiere damit meine Wurzeln, die mich mein ganzes Leben begleitet und geprägt haben.

2016 bestritt ich meinen ersten Profikampf im Kickboxen nach K-1-Regeln und gewann. Von diesem Moment an ging es für mich sportlich immer weiter nach oben. Ich sicherte mir den Europatitel im Verband der ISKA und kämpfte bei großen Organisationen wie Enfusion, Akhmat Fight Show und WLF sowie später bei GLORY Kickboxing, einer der größten Kickbox-Organisationen der Welt. Einer der Höhepunkte meiner Kickbox-Karriere war der Sprung in die weltweite Top-5-Rangliste von GLORY.

Als 2020 die Corona-Pandemie begann, fielen zahlreiche Kickbox-Kämpfe und Veranstaltungen aus. Im Profiboxen fanden jedoch weiterhin vereinzelt Events statt. Da ich unbedingt aktiv bleiben wollte, wagte ich den Schritt in den Boxring. Dort absolvierte ich fünf Profikämpfe und gewann vier davon. Auch wenn mir das Boxen nicht dieselbe Erfüllung gab wie das Kickboxen, war diese Zeit eine weitere wichtige Erfahrung auf meinem Weg.

Schließlich entschied ich mich dazu, mein Können auch im MMA unter Beweis zu stellen. Ende 2021 bestritt ich meinen ersten professionellen MMA-Kampf. Es war der Beginn eines neuen Kapitels meiner Karriere.

Heute stehe ich im MMA bei einem Rekord von 12 Siegen und zwei Niederlagen. Aktuell habe ich sechs Kämpfe in Folge gewonnen und gehöre mittlerweile zu den bekanntesten kurdischen MMA-Kämpfern weltweit. Was einmal mit dem Wunsch begann, mich gegen Mobbing verteidigen zu können, hat mich auf internationale Bühnen geführt.

Doch mein Weg ist noch nicht zu Ende.

Mein größter Traum ist die UFC. Ich möchte mich mit den besten MMA-Kämpfern der Welt messen und auf der größten Bühne dieses Sports antreten. Mit meinem aktuellen Lauf bin ich diesem Ziel näher als je zuvor.

Und mit diesem Traum ist noch ein weiterer verbunden: Auch in der UFC möchte ich eines Tages die kurdische Flagge repräsentieren dürfen. Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand ist dies dort in dieser Form nicht möglich. Mein Ziel ist es, auch dort dafür einzustehen, meine kurdischen Wurzeln zeigen zu dürfen – so, wie ich es bereits bei OKTAGON getan habe.

Ich möchte eines Tages auf der größten MMA-Bühne der Welt stehen, die kurdische Flagge tragen und damit zeigen, woher ich komme und welchen Weg ich gegangen bin.

Denn für mich steht diese Flagge nicht für Politik. Sie steht für meine Herkunft, meine Familie, meine Eltern und einen Teil meiner Identität.

Der Kampfsport hat mich gelehrt, dass Widerstände nicht bedeuten, dass man aufgeben muss. Im Gegenteil: Mit harter Arbeit, Disziplin, Geduld und einem unerschütterlichen Glauben an sich selbst kann man Grenzen verschieben.

Vom 15-jährigen Jungen aus Köln-Ostheim, der mit dem Kickboxen begann, um sich gegen Mobbing zu verteidigen, bis zum professionellen MMA-Kämpfer mit einem 12-2-Rekord und dem Traum von der UFC war es ein langer Weg.

Und vielleicht beschreibt kein Name diesen Weg besser als der, den mir mein Trainer damals gegeben hat: „The Punisher“. Ein Name, der aus einer schwierigen Zeit meines Lebens entstanden ist und mich bis heute begleitet.

Aber ich bin noch nicht am Ziel.

Ich werde weiterkämpfen, weiter an mich glauben und meine Wurzeln niemals vergessen. Mein nächstes großes Ziel ist die UFC – und wenn ich eines Tages dort stehe, möchte ich nicht nur mich selbst repräsentieren, sondern auch zeigen, woher ich komme und was mich zu dem Menschen und Kämpfer gemacht hat, der ich heute bin.

Cihad „The Punisher“ Akipa.